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1.0 Einführung

1.2 Ursprung und Quellen der Atlantiserzählung / Zeittafel

Bevor wir mit einer Analyse des Basismaterials beginnen, müssen wir erst einmal klären, woher die Atlantis-Erzählung überhaupt kommt, und wie ernst sie zu nehmen ist. Es gibt nur zwei verläßliche Texte, die sich eindeutig auf Atlantis beziehen. Wie bereits erwähnt, stammen sie beide von dem berühmten griechischen Philosophen Platon, der wie wir wissen keine erfundene Person ist, sondern wirklich gelebt hat (427- 347 v.Chr.).

Diese beiden Texte sind in der griechischen Tradition als Gespräch zwischen verschiedenen Personen verfaßt und nach den beiden Protagonisten Kritias und Timaios benannt. Nachdem Platon in seinen Lebzeiten viele andere Werke niedergeschrieben hatte, verfaßte er mit etwa 70 Jahren dieses naturkundlich-kosmologisches Hauptwerk. Im Timaios-Dialog schreibt er über die Erkenntnisse der pythagoreischen Medizin und trägt das damalige Wissen über Physiologie, Psychologie und Astronomie ähnlich, wie in einem Lexikon zusammen. Im Kritias-Dialog kommt er auf die Urgeschichte Athens zu sprechen und berichtet an dessen Ende über Atlantis. Dort bricht jedoch plötzlich der Dialog ab, warum ist nicht bekannt.

Zeittafel-Atlantis

Innerhalb des Dialoges erwähnt er, woher er selbst diese Geschiche hat. Sie stamme von Solon, einem der athenischen Gesetzgeber, der die Voraussetzungen für eine athenische Demokratie schuf. Laut der anerkannten Geschichtsforschung lebte er etwa von 640 bis 559 v.Chr. und lernte überdies als Großkaufmann auf seinen Reisen Sitten, Recht und Lebensbedingungen verschiedener Völker kennen. Er reiste ca. 560v.Chr nach Ägypten und besuchte die Stadt Sais im Delta des Nils. Dort stand der Tempel der Neith, der als eine der berühmtesten Universitäten dieser Epoche galt. Nachdem er auf eine Stele mit eingravierten Atlantis-Texten stieß, befragte er die Priester, die ihm mit Hilfe weiterer Schriftrollen erschöpfende Auskunft gaben. Daraus fertigte Solon ein Manuskript, das er mit nach Griechenland brachte.

Die Existenz dieses Tempels wurde anhand von archäologischen Ausgrabungen bewiesen, die Reise Solons in den Freihafen von Naukratis (16km von Sais entfernt) ist ebenfalls verbrieft. Ungefähr 300 vor Christus, noch bevor der Tempel um Christi Geburt von den Römern zerstört wurde besucht Krantor von Soloi (330-275 v.Chr.) ebenfalls diesen Tempel und bestätigt die Schriftrollen gesehen zu haben. Weiterhin wird im Kritias-Dialog angedeutet, daß nach Solons Tod die Aufzeichnungen an Kritias vererbt wurden. Auch daran ist nicht zu zweifeln, denn nach genealogischen Untersuchungen des Ahnenforschers John Davies ist Solon tatsächlich der Urgroßvater des Kritias. Kritias selbst ist direkt mit dem Autor verwandt, er ist der Onkel von Platon.

Darüber hinaus existieren noch weitere Quellen, die zwar frappante Parallelen aufweisen, aber nicht mit absoluter Sicherheit einzuordnen sind. Neben der Bibel, in der außer der Sintflutgeschichte auch von einem ähnlichen Hennochiterreich berichtet wird, finden sich Entsprechungen im babylonischen Gilgamesch-Epos. Wenn überhaupt sind es jedoch Herodot und Homer, die sich möglicherweise auf die gleiche Geschichte beziehen. Letzterer schreibt in seiner Odyssee schon einige Jahrhunderte vor Platon über ein Phäakenreich, das in vielen verblüffenden Details mit der Atlantis-Erzählung übereinstimmt. Er ist der älteste bekannte griechische Dichter (ca. im 9. Jahrhundert vor Christus) und auch Verfasser der Ilias, die Heinrich Schliemann zur Entdeckung von Troja verhalf. Eine verbreitete philologische Theorie zu seinen Werken besagt, daß er lediglich vorhomerische Epen zusammenfaßte, die aus dem mykenischen Kulturkreis stammen, die Überlieferungen also weitaus älter sein müssen.

Die Herkunft der Geschichte ist damit ausreichend erhellt und klingt alles andere, als frei erfunden. Nun können wir uns den Originaltexten in einer deutschen Übersetzung der Leipzigers Hieronymus Müller aus dem Jahre 1857 widmen. Es sind Auszüge aus einer literarischen Gesamtübersetzung, die das Thema Atlantis ziemlich wenig interessiert. Deshalb dürfen wir davon ausgehen, daß der Übersetzer sich einerseits streng an den Originaltext gehalten hat, und andererseits völlig unbeeinflußt von allen späteren Atlantis-Theorien geblieben ist. Um den Unterschied feststellen zu können finden Sie im Anhang noch eine modernere Übersetzung. In dem nun folgenden Analyseteil befindet sich der Originaltext jeweils auf der linken Seite und wird in Abschnitten kommentiert.




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